Hafen Port Napoléon, Port-Saint-Louis-du-Rhône
43°22’53 N / 004°49’87 E
Die letzten Wochen waren bewegt, nicht nur wegen der vielen Kilometer zwischen Frankreich und der Schweiz, sondern wegen der Schwere in unseren Herzen. Zweimal sind wir heimgekehrt, aus traurigen Gründen: Wir haben Abschied genommen, von Remos Mami und von der Schwester eines lieben Freundes. Es waren stille, ernste Tage, die sich über unsere Reise legten wie das tiefer werdende Winterlicht.
Gleichzeitig versuchten wir, unsere Passage durch die französischen Kanäle zu planen. Doch wie das Leben so oft spielt, geht es eigene Wege. Die Kommunikation mit der Kanalgesellschaft VNF wurde zu einer kleinen Odyssee. Véronique aus dem «Territoriale Centre Bourgogne» schrieb uns sinngemäss, dass wir wohl kaum durch ihr Gebiet fahren würden, aber vielleicht, vielleicht – würden ihre Kollegen antworten. Wie unsere Anfrage an das Territoriale Centre Rhône au Rhin überhaupt zu ihr gelangt ist, blieb ein Rätsel. Das von ihr angekündigte Vielleicht blieb dann auch unbeantwortet. Unsere Anfragen irrten durch die Départements wie ein Boot ohne Leinen im Seitenarm eines Kanals.
Die Klarheit kam schliesslich von unerwarteter Stelle: «all european waterways» aus Deutschland. Zwölf Stunden, eine Antwort auf alles. Und plötzlich wussten wir, was wir eigentlich nicht wissen
wollten.
Der Kanal Rhône au Rhin ist gesperrt.
Die Schleusen der Saône bleiben im Winter geschlossen.
Der Wasserstand: seit Jahren weniger tief als versprochen.
Damit wurde klar: Rosalie wird im Frühling nicht in die Ostsee kommen.
Aussenrum? Nein.
Strassentransport? Fühlt sich fremd an.
Also bleibt sie erst mal hier, in diesem südfranzösischen Hafen, und wir reisen heim. Früher als gedacht und doch zu einem Zeitpunkt, der sich irgendwie stimmig anfühlt. Der Dezember und Januar waren ohnehin als Zeit fürs Zuhause, um über Jobs und Zukunft nachzudenken, geplant. Nun war das Leben einfach schneller.
Ein Abenteuer, eine Lebensphase, vielleicht sogar ein kleiner Traum schliesst sich hier leise, im Licht des Winters. 20 Monate «Auszeit unter Segeln» liegen hinter uns. Wir möchten uns noch gar nicht lösen, doch gleichzeitig stehen wir im Hafen, mit Listen, Aufgaben und offenen Fragen. Rosalie will vorbereitet werden, wir wollen heimkehren, uns neu verwurzeln, Pfosten einschlagen für das, was kommen darf. Es passt zum beginnenden Winter.
Das Licht ist golden, fast zärtlich, wie eine Erinnerung, die bleibt.
Aber die Tage sind kurz, die Menschen ziehen sich zurück, und in dieser winterlichen Stille fühlen wir die Wahrheit: Dieses Kapitel geht zu Ende. Es
ist gut so. Wir wussten nie, wie lange wir unterwegs sein würden. Und wir spüren beide, dass ein Sommer «Mittelmeer 2.0» nicht das Richtige ist.
Der Weg in die Ostsee: unrealistisch.
Ein grosser Schlag auf den Atlantik: nicht unseres.
Und das Budget flüstert ebenfalls: Jetzt ist der Moment.
In solchen Momenten denken wir an die Stimmung von Patent Ochsners «Es Glas uf d Liebi». Genau dieses Gefühl: dass man die Liebe und die gemeinsame Zeit hochhält, selbst wenn etwas endet. Dass man das Glas nicht auf den Schmerz erhebt, sondern auf die Stärke, die darin wohnt. Auf all die warmen Stunden, die getragen haben. Auf das Licht, das bleibt, auch wenn der Tag früher dunkelt.
Vielleicht ist es genau das, was wir mitnehmen:
Nicht ein Abschied voller Schwere, sondern einer, bei dem man das Glas hebt – auf die Liebe, auf das Erlebte, auf das, was uns weiterträgt.
Rosalie bleibt im Süden. Wir gehen weiter, mit Wehmut.
Aber auch mit einem Funken, der im Herzen brennt, bereit für das, was wächst, wenn der Winter vergeht.





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Gabi (Mittwoch, 19 November 2025 19:37)
So schön geschrieben, so klare und nachvollziehbare Gedanken.
Ihr werdet auch weiterhin das Richtige finden und tun, da bin ich mir sicher.
Danke für die geteilten Stunden, Gespräche und gemeinsames Lachen. Ich hoffe auf ein Wiederhören, Wiedersehen und gelegentliche Lebenszeichen.
Fair Winds für die neuen Zeiten, in die Ihr Euch nach dieser wertvollen Auszeit begeben werdet. LG
Melanie (Mittwoch, 19 November 2025 20:11)
Waw❤️
Ig bi voller Vorfreud uf euch u glichzytig gspüri euch Wehmuet! Bi so stolz uf euch, uf aues wo dir erreicht heit, erläbt u bsunders uf euche Muet! Erinnerige wärde nie zende go!
Serge Robert� (Mittwoch, 19 November 2025 21:34)
Phuu Malluu wieder einmal hochprozentig deine literarische Leistung ��.
Aber auch wenn eure Old Lady jetzt wohl zurückbleiben muss (auch wir hatten ja ebenfalls viele schöne, interessante manchmal auch anstrengende Stunden und Tage auf ihr verbracht), nehmt all‘ euer Herzblut mit – für neue Herausforderungen, Abenteuer und was es sonst noch so geben könnte.
Also wir unsererseits würden natürlich auch noch gerne einmal mit einem Yachtmaster einen netten Schlag durchziehen, wenn wir dazu überhaupt noch in der Lage wären �.
Wie auch immer, wir freuen uns auf euer Wiedersehen…
Leutenegger Catherine (Donnerstag, 20 November 2025 07:44)
Danke für euren Bericht! Toll geschrieben!
Herzliche Grüsse aus Gerzensee!
Verena (Donnerstag, 20 November 2025 09:24)
Liebe Malu, lieber Remo
Danke für das Teilen eurer Reiseerlebnissen und eurer Gefühlen.
Malu, du hast eine sehr berührende Gabe zu schreiben!
Wünsche euch eine gute Heimreise und viel Glück und Mut für alles was sich zeigen wird.
Herzlich
Verena